vier Monate Galerie im Ladenlokal
Auch die historische Innenstadt Ratingens verliert durch sogenannte „Leerstände“ an Attraktivität. Wer geht noch gerne in die Stadt, wenn er zunehmend an leeren Schaufensterhöhlen vorbeischlendert.
Auf der anderen Seite sind Kunstschaffende immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Arbeiten an attraktiver Stelle zu zeigen. Ein besonders reizvoller Ort in Ratingen liegt gegenüber der evangelischen Kirche, Lintorfer Straße 25: Ein bereits im 18. Jahrhundert errichtetes historisches Fachwerkhaus mit großen Schaufenstern und viel Flair. Bis zum Jahresanfang befand sich hier ein Brautmodengeschäft. Nun in den Fenstern das Schild eines Immobilienmaklers – Zu vermieten –.
Innen auf zwei Ebenen viel Platz, hohe Wände, alte Balken. Ein Ambiente, das geradezu danach ruft, Kunst präsentieren zu dürfen. Vielleicht hat Pauline Kugler, die auf dem Weg zum Markt häufiger hier vorbeikommt, diesen Ruf gehört. Sie schreibt an den Immobilienmakler, ob man sich vorstellen könne, die Räumlichkeiten dem Kunstverein Ratingen bis zu einer Neuvermietung zur Verfügung zu stellen.
Bereits 2016 hatte der Kunstverein das Glück, die Räumlichkeiten für vier Monate nutzen zu dürfen, und viele Mitglieder blickten mit guten Erinnerungen auf diese Zeit zurück. Wochen vergingen ohne Resonanz. Dann endlich im September grünes Licht. Jetzt musste es schnell gehen, schließlich standen die Kunsttage am 26. und 27. September vor der Tür.
Einige fleißige Helfer sorgten dafür, dass sich die leeren Räume in nur wenigen Tagen in eine attraktive Ladengalerie mit allem Komfort verwandelten. Es entstand ein wichtiger Ausstellungsort und ein zentraler Informationspunkt für die Ratinger Kunsttage, an dem Elfi Lütcke für alle Fragen zur Verfügung stand. Außerdem konnten hier die Preise für das Gewinnspiel in Augenschein genommen werden. Schon anlässlich der Kunsttage freute man sich über viele Besucher.
Von Ende September bis Ende Dezember wechselten die Ausstellungen alle zwei bis drei Wochen. Möglichst vielen Mitgliedern des Kunstvereins sollte die Möglichkeit geboten werden, ihre Arbeiten zu präsentieren. Darüber hinaus sollten die Besucher einen vielfältigen Eindruck erhalten. Malerei, Skulptur, Fotografie, Cyanotypie, Collagen und Installationen schmückten die Schaufenster und die hohen Wände.
In den beiden ersten Dezemberwochen zeigten die Mitglieder des Ateliers Kugler ihre Arbeiten im Galerieladen. Ein besonderer Höhepunkt war die Vernissage am 28. November. Zahlreiche Gäste füllten die Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz, und für das leibliche Wohl war auf das Beste gesorgt. Zwischen den zahlreichen Besuchern, die sich angeregt über die Ausstellungsobjekte unterhielten, erschien plötzlich ein besonderer Gast mit schwarzem Mantel und Hut.
War da nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Pauline Kugler zu erkennen? Eva Koch führte den speziellen Gast einfühlsam durch die Ausstellung, ein Anlass für viele witzige Dialoge.
Was machte es so besonders, seine Arbeiten in einer Ladengalerie zeigen zu dürfen? Durch die Präsentation in einem attraktiven Umfeld erhielten die Kunstobjekte eine besondere Wertigkeit. Als aufsichtführendes Vereinsmitglied saß man in einem anregenden Umfeld. Durch die großen Fenster konnte man nicht nur hinein, sondern auch hinausschauen, beobachten.
Viele Passanten liefen vorbei, andere blieben stehen, schauten genau, blieben erneut stehen. „Kommt doch einfach rein“, wollte man rufen. Viele gingen weiter, andere nahmen die Einladung an, überwanden Schwellenangst und Türschwelle, nahmen sich Zeit, Kunst genauer zu betrachten. Immer wieder kam es auch zu anregenden Gesprächen. Wer sind die Künstler? Welche Objekte gefallen besonders oder geben Fragen auf? Auch die Mitglieder des Kunstvereins nutzten die Räumlichkeiten immer wieder als Möglichkeit für Begegnungen und Gespräche. Beim Stadtbesuch schnell mal schauen, wer Aufsicht hat, entwickelte sich als Ritual für viele.
Vier Monate Kunst im Galerieladen: Einerseits viel Arbeit, insbesondere für Elfi Lütcke und Pauline Kugler. Aufsichtspläne mussten erstellt, Ausstellungen immer wieder arrangiert werden. Auf der anderen Seite ein großer Erfolg. Schön war’s! Fast alle aktiven Kunstvereinsmitglieder nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeiten zu zeigen. Fast 1000 Ratinger nahmen sich Zeit für Kunst, und auch einige Verkäufe konnten abgeschlossen werden.
Neben Elfi Lütcke und Pauline Kugler als Hauptorganisatoren gilt ein besonderer Dank dem Vermieter und dem Stadtmarketing für die Unterstützung.
Besonders erfreulich, dass im Jahr 2026 die Kunst weiterhin ein Zuhause in den Räumen Lintorfer Straße 25 finden wird. Patrick Hoffmann, ein Mitglied des Kunstvereins Ratingen, und die Mitbegründer von Urban Livingroom werden die Räumlichkeiten als Mieter übernehmen. Ende Januar ist eine große Eröffnungsausstellung geplant.
Wir wünschen viel Erfolg.
©2025 Petra Baierl









