Kunsttage 2026


Die Stadthalle als Galerie für kreative Vielfalt

2026 feiert Ratingen das 750 jährige Stadtjubiläum. Grund für den Kunstverein Ratingen die Kunsttage in diesem Jahr auf eine besondere Art und Weise zu begehen. Anstatt wie sonst dezentral im gesamten Stadtgebiet auszustellen, präsentierten vom 5. bis 7. Juni 28 Kunstschaffende ihre Arbeiten im Foyer und im kleinen Saal der Stadthalle. So entstand ein buntes Kaleidoskop kreativer Vielfalt. Vertreten waren verschiedene Stilrichtungen und Techniken.

„Niemandem wird alles gefallen, aber jeder wird etwas finden, das ihm gefällt. Gerade das macht uns aus“ betonte Elfi Lütcke, die Vorsitzende des Kunstvereins.

Skulpturen fanden auf der Theke im Eingangsbereich einen Platz. Gosia Heimowski formt ungeheuer filigrane Tänzerinnen aus Schlacke und Pappmacheemasse. Pauline Kugler kombiniert Alabaster und Steatit mit anderen Materialien. Das Objekt von Petra und Thomas Baierl, bei dem Bewegungen ausgelöst werden, erstaunte viele Besucher.

Manchmal entstehen aus ungewöhnlichen Materialien Kunstwerke. In Christine Heins Cyanotypien werden aus den Spuren von Regentropfen und Wellenbewegungen Bilder. Nikolaus Nowak arbeitet mit Gießharz und schichtet bemalte Glasscheiben hintereinander. Carla Cramer-Berendt benutzt Metallplatten und Teile von Platinen um Tiefenwirkung zu erzeugen.

Die Wirkung von Farbe steht für viele im Mittelpunkt ihrer Kunst. Bei Susanne Bons ist es die Faszination der schwarzen Fläche. Auch Alejandro Solorzano benutzt für seine an Tatoos erinnernden Bilder überwiegend die Farbe Schwarz. In den Bildern von Martina Neumayer entwickelt Schwarz mit Grautönen und Kupfergold eine eigene explosive Dynamik, Farbexplosionen auch die Rakelbilder von Eleonore Kockerscheidt.

In den abstrakten Landschaften von Gaby Hermann, Ursula Stüwe-Schmitz und Eveline Ruß ist das Spiel mit der Farbübergängen ein wesentliches Gestaltungselement. Pastellfarben prägen die Arbeiten von Tina Carstens und Joanna Rzepkowska.

In anderen Arbeiten steht das Motiv im Vordergrund. Christine Neumann, Angela Traumann und Anita Esper beschäftigten sich in ihren Arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise mit Motiven aus Ratingen. Die realistisch gemalten Landschafte von Jasmin Troschke und Monika Bürger fanden ebenso einen Platz in der Ausstellung wie die Bilder von Helmut Brinkmann und Gabriele E. Funk mit Motiven aus dem Weltall.

Ziel von Bildern ist es, die Emotionen der Betrachter anzusprechen. Die Damen im Wasser von Sabine Plum ließen den Betrachter schmunzeln, während der stumme Schrei in Hannelore Kickens RosaRot nachdenklich stimmte.

Ein blauer Kaktus im Nirgendwo, märchenhaft verfremdete Schaufensterpuppen, Norbert Thomann und Alina Fenn erzählen mit dem Mittel der surrealen Brechung Geschichten, die die Phantasie der Betrachter anregten.

Die Fotos des Ehepaars Köhler wirkten wie gemalte Bilder und gaben Rätsel auf. Auch das Bild Calligraffitti von Elfi Lütcke ließ den Betrachter über die Bedeutung der Buchstaben rätseln.

Eine Besonderheit der diesjährigen Kunsttage war, dass auch andere Kunstrichtungen vertreten waren. Durch die Einbeziehung von Musik, Literatur und Theater entstand ein stimmungsvolles Ganzes. Den Auftakt bot die Musik. Gerdi Stakenborgs Akkordeonklänge waren bei der Vernissage am Freitag den 5.6. eine passgenaue Ergänzung zu den Ausstellungsstücken und boten einen gelungenen Rahmen für die einführenden Worte von Elfi Lütcke.

Der Klang der Musik von Klassik über Chanson bis hin zu Schlager und modernem Pop entspannte die Zuschauer und unterstrich die künstlerische Atmosphäre. Mit durch die Musik geöffneten Sinnen gelang manchen ein anderer Blick auf die Ausstellung.

Alle Sinne wurden auch bei der Lesung angesprochen, die am Samstag den 6.6. im Mittelpunkt des Programms stand. Svend Dunkhorst stellte seinen neu erschienenen Roman „Jazzmate“ vor und entwickelte hierzu passend eine fantastische literarisch musikalische Performance. Mit Hilfe des „außerirdischen“ Gitarrenvirtuosen Richard Bretschneider zog Svend Dunkhorst die Zuschauer in seinen Bann und machte Lust auf die Lektüre seines Romans.

Es zeigte sich, Kunst, hier die Musik, kann Tore öffnen wie auch für den Protagonisten seines Romans Jimmy Atanasov. Für ihn öffnet die Gitarre den Raumzeittunnel ins London des Jahres 1999 und damit den Anfang für das Szenario des fantastischen Plots, in dem Jimmy versucht, mit Hilfe der Musik und einiger Verbündeter die Welt von einer fremden Macht zu befreien.

Svend Dunkhorst`s Intention bei der Entstehung des Roman war es, sein Leben zurückzuspulen und in Verbindung mit seinen Interessen – Musik, Physik, Technik und Kunst – aus dem Chaos seiner autobiografischen Erinnerungen eine Story zu entwickeln, bei der am Ende wieder alle Fäden zusammenfinden.

Den Höhepunkt am Sonntag, den dritten Tag der Kunsttage bot die Aufführung von Nick Hornbys Monolog „NippleJesus“ in einer Inszenierung des Kleinen Theaters Nebenan unter der Regie von Michael Schäfer. Die beißend komische tiefgründige Satire auf den modernen Kunstbetrieb stellt die Frage nach dem Sinn von Religion und Kunst und ist ein Plädoyer für die Kunstfreiheit. Der Darsteller Slim Weidenfeld verkörperte überzeugend den zum Museumswärter avancierten Rausschmeißer Dave, der das kontroverse Kunstwerk einer Darstellung von Jesus am Kreuz , das aus unzähligen ausgeschnittenen weiblichen Brustwarzen besteht, bewachen muss.

Die Situation eskaliert und es kommt zu einem überraschenden Ausgang. Zurück bleiben passend zu einer Kunstausstellung bei einem betroffenen Publikum viele Fragen. Kann man Kunst erklären? Muss jedes Bild eine Aussage haben? Sollte ein Kunstwerk provozieren oder ist es wichtiger, es einfach nur liebzuhaben?

Die Frage nach dem Sinn von Kunst stellte auch Elfi Lütcke in ihrer Ansprache anlässlich der Vernissage am Freitag den 5.6. .

Sie kommt zu dem Schluss, dass Kunstwerke Positivität und Freude in einen Raum bringen können und so eine friedliche Atmosphäre schaffen und für Wohlbefinden sorgen. Darüber hinaus spielt Kunst auch eine wesentliche Rolle für den Zusammenhalt in Gemeinschaften.

Den Zusammenhalt und die Vielfalt der Stadtgesellschaft darzustellen ist auch das Motiv der Aktion „Dein Daumen zählt!!“, in der Ratinger die Möglichkeit haben durch einen Daumenabdruck Teil einer Skulptur für Ratingen zu werden. Diese Idee von Pauline Kugler begeisterte wieder viele Besucher der Kunsttage, die ihren Daumenabdruck hinterließen.

Den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft zu stärken ist auch Ziel der vielfältigen Aktionen der Stadt Ratingen im Jubiläumsjahr. Der Kunstverein Ratingen konnte hierzu mit den Kunsttagen einen gelungenen Beitrag leisten. Für die Besucher bot sich die Möglichkeit Kunst, Musik, Literatur und Theater an einem Ort zu erleben. Die Kunstschaffenden genossen es, dass sie an drei Tagen nicht nur mit Besuchern sondern auch untereinander ins Gespräch kommen konnten.

©2026 Petra Baierl